Gesellige Einzelgänger – Wie sozial sind wir Katzen wirklich?
Der Zoologe und Katzenverhaltensforscher Paul Leyhausen nannte uns Samtpfoten „gesellige Einzelgänger“ – und ja, damit trifft er den Nagel auf den Kopf.
Klar gibt es Ausnahmen, doch wie ihr wisst, stammen wir von der Falbkatze ab. Auch bei ihr lässt sich unser Sozialleben in groben Zügen beobachten. Manche Falbkatzen treffen sich nur zur Paarung, andere teilen sich ihr Revier mit weiteren Artgenossen. Letzteres überrascht kaum, denn unsere Reviere überschneiden sich oft mit dem einer Nachbarkatze und so teilen wir uns unsere Randgebiete (die sogenannten Streifgebiete) eh schon mit anderen Katzen. Wir hinterlassen Kratz- und Urinmarkierungen, damit alle wissen, wer wo wann gewesen ist und wer in welches Streifgebiet hinein darf.
In jedem Revier von uns, gibt es eine Kernzone, unseren sicheren Mittelpunkt. Hier fühlen wir uns geborgen und verteidigen diese Zone vehement gegen Eindringlinge. Verfügt unser Revier über genügend lebenswichtige Ressourcen, können mehrere Katzen dort friedlich zusammenleben. Manchmal kuscheln wir sogar miteinander und Katzenmütter ziehen gemeinsam ihre Jungen groß. Bei den männlichen Samtpfoten bilden sich Bruderschaften – die Jungs ziehen dann gemeinsam umher und machen das Revier unsicher.
Und bei der Jagd? Da möchten wir keine Gesellschaft. Die Jagd findet grundsätzlich alleine statt. Unsere Beute ist ja auch nicht riesig, und es macht somit auch überhaupt keinen Sinn eine Maus in der Gruppe anzugreifen.
In freier Wildbahn verbringen wir also die meiste Zeit unserer Aktivitätsphase mit der Jagd und sind daher überwiegend Einzelgänger – das lässt sich auch bei Freigängern gut beobachten. Es gibt jedoch viele Fellnasen, die innige Freundschaften pflegen – allerdings nicht zwingend mit Artgenossen, sondern auch mit artfremden Wesen wie Hunden, Pferden oder Menschen.
Vor gut 10.000 Jahren begann unsere Domestikation: Wir näherten uns den menschlichen Siedlungen, lernten zu koexistieren, und unser Sozialleben wandelte sich ein wenig. So entwickelten sich recht gesellige Katzenrassen wie Siamesen, Orientalen, Sphynx, Abessinier, Singapura, Maine Coons oder Bengalen – die man besser nicht als Einzelkatze halten sollte. Aber natürlich gibt es auch unter den „Normalos“ Individuen, die nicht auf einen Artgenossen verzichten möchten – bei der Wahl der Katze und der Haltung sollte das bedacht werden.
So vielfältig unser Fell ist, so vielfältig sind auch wir Samtpfoten. Jede von uns ist individuell, und es macht keinen Sinn, uns einfach zu vergesellschaften und darauf zu hoffen, dass wir schon irgendwie klarkommen. Selbst wenn wir zum geselligen Typus gehören, muss es passen. Ob wir überhaupt gesellig sind und wie sehr, lässt sich nicht pauschal sagen. Herkunft, Aufzucht, Alter und vor allem der Charakter spielen hierbei eine große Rolle.
© Canva, Pixabay, Dan-Reyes – Tammy erklärt

