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Unser Hängebauch: Nicht nur ein kluger Energiespeicher

Die ganze Sache mit der „Urwampe“ kennt so ziemlich jeder Katzenfreund. Das ist dieser lose Hautlappen am Bauch, der sich beim Gang oder Sprinten schön hin- und her bewegt. Oft denkt unser Personal, das sei Übergewicht oder wir haben zugenommen – aber falsch gedacht! Der Hängebauch ist kein Zeichen von Krankheit oder Übergewicht – er bringt uns Samtpfoten gleich mehrere Vorteile.

Der Ausdruck Urwampe klingt nicht wirklich sexy. „Ur“ bedeutet irgendwas Ur-iges, und die Wampe ist halt einfach ein dicker Wabbelbauch, quasi eine Fettschürze. Unser Personal würde bei diesem Wort wahrlich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Bei uns Katzen hat der Hängebauch zwar denselben Effekt wie bei unserem Personal, aber das macht uns nichts aus – im Gegenteil.

Wie sieht sie denn nun aus – diese „Wampe“ und wo befindet sie sich?

Unsere Urwampe befindet sich unter unserem Katzenkörper und verläuft von der Mitte unseres Bauches bis zu den Hinterbeinen. Legen wir uns auf die Seite, ist unser Hängebauch besonders gut zu sehen. Beim Gehen schwingt die Hautfalte fröhlich hin und her – je nach Diva auch mal mehr, mal weniger. Wie groß sie ist, hängt von Rasse, Alter und Hormonen ab. Rassen wie die Ägyptisch Mau, Bengalen und Ceylon-Katzen haben oft einen besonders ausgeprägten Schwabbelbau. Aber egal, welche Rasse – mit dem Alter wird unsere Urwampe oft etwas stattlicher.

Gibt es Unterschiede bei uns Katzen?

Wie gesagt, manche von uns haben einen größeren, andere einen kleineren Schwabbelbauch. Freigänger neigen oft zu größeren Urwampen, doch auch innerhalb unserer verschiedenen Rassen gibt es Unterschiede. Manche zeigen kaum eine sichtbare Urwampe, andere sind echte Urwampe-Profis. Auch unser Alter spielt mit: Je älter die Samtpfote ist, desto schwächer wird unser Bindegewebe und unsere Haut verliert an Elastizität – und voila, die Urwampe wird stärker sichtbar.

Warum haben wir überhaupt eine Urwampe?

Unser Schwabbelbauch besteht nur teilweise aus Fett; der Rest ist lose Haut. Und das hat seinen guten Grund. Gleich drei Gründe, genauer gesagt.

1. Schutz der Bauchregion

Wenn wir kämpfen, geht es rund – wortwörtlich. Zwei Artgenossen liefern sich ein Match, eine Mischung aus Ringen und Boxen. Dabei ist der empfindliche Bauch oft exponiert. Wer schon einmal versucht hat, uns unaufgefordert ab Bauch zu streicheln hat die Konsequenz schon mal gespürt. Unsere heftige Reaktion kommt nicht nur daher, dass wir Drama-Queens sind oder etwa zickig (obwohl das auch mal vorkommen kann). Viel mehr ist unser Bauch eine der am schlechtesten geschützten Stellen an unserem Katzenkörper. Direkt unter der Bauchdecke befinden sich lebenswichtige Organe. Eine der wenigen Schutzvorrichtungen, die uns bei einem Angriff von unten bleibt, ist das Fettpolster im Hängebauch, denn dieses schützt unser Organe vor Krallen, Bissen und Schlägen.

2. Energie-Notreserve

Wenn wir von Fettpolstern sprechen, denken ja viele: Oh je, Kalorienalarm. In der heutigen Zeit mit wenig Bewegung und einem Überangebot an Essen führt das bei unserem Personal oft zu Übergewischt. Für uns Katzen gilt das aber nicht ganz so streng. Unsere Fettreserve in unserem Schwabbelbauch hilft auch unserer Gesundheit. Wie ihr wisst, sind wir Lauerjäger, mehrmals am Tag sprinten wir und schnappen uns kleine Mahlzeiten. Wenn der Jagderfolg dabei aber ausbleibt, verlieren wir mehr Kalorien, als wir wieder bekommen – und das kann schnell gefährlich für uns werden. Denn eine geschwächte Samtpfote hat schlechtere Chancen beim Jagen. In unserer Urwampe tragen wir sozusagen eine Notfallration mit uns herum. Das eingelagerte Fett in unserer Urwampe können wir bei Bedarf wieder zu Energie umwandeln. Allerdings kämpfen wir Hauskatzen eher mit Kalorien statt das wir Mäuse jagen, aber solange unser Schwabbelbäuchlein nicht zu prall ist, passt das schon.

3. Akrobatische Geschmeidigkeit

Ein prall gefüllter Schwabbelbauch sollte nie das Ziel sein. Denn unser Hängebauch ist nicht nur Energiespeicher, sondern auch ein Beweglichkeitshelfer. Wenn die Hautfalte halb gefüllt ist, bietet sie uns eine weitere wichtige Funktion. Wir können uns durch die Urwampe beim Laufen und Springen besonders weit zu strecken. Wir können größere Sprünge machen und schneller einem Angreifer entwischen. Nur durch die Urwampe sind akrobatische Sprünge für uns möglich.

Ist die Kastration schuld an unserem Hängebauch?

Die meisten von uns Samtpfoten entwickeln nach der Kastration oder Sterilisation einen richtig prallen Hängebauch. Nein, das liegt nicht daran, dass der Tierarzt die Naht verpatzt hat. Unser Körper schaltet einfach die Sexualhormone aus und wir brauchen weniger Energie. Das allerdings vergisst unser Personal des Öfteren. Wir werden weiter gefüttert wie bisher und das bedeutet, dass wir recht schnell Übergewicht bekommen und dies zeigt sich auch an der prall gefüllten Fettschürze – also liebes Personal, nach der Kastration brauchen wir deutlich weniger an Futter als vor der Kastration!

Gibt es Probleme mit unserer Wampe?

Unsere Urwampe stört uns erst, wenn sie so schwer wird, so das sie unsere Bewegungsfreiheit einschränkt. Viel gefährlicher sind aber die Gründe, die unseren Hängebauch wachsen lassen.

Übergewicht: Übergewicht ist einer der häufigsten Gründe, warum unsere Fettschürze so groß ist. Fühlt sich unsere Wampe zu prall an oder wir sind nicht mehr so aktiv, möchten weniger Spielen oder verlieren unsere schlanke Linie, dann muss unser Personal wirklich aktiv werden. Denn Übergewicht macht uns krank. Nach einer Kastration und im Alter sollte unser Personal immer die Kalorien im Blick behalten. Der Trick ist Qualität statt Quantität: Hochwertiges Katzenfutter in der richtigen Menge. Eine Ernährungsberatung kann euch ganz genau unseren Bedarf errechnen und ein NFE-Rechner zeigt euch, ob das Futter passt.

Krankheiten: Wenn wir keine Gewichtsprobleme haben, aber unsere Urwampe ist irgendwie sonderbar groß, prall oder fest, dann heißt es – ab zum Tierarzt. Denn Krankheiten wie Magen-Darm-Probleme, Würmer, FIP, Herzerkrankungen, Leberprobleme, Tumore oder innere Blutungen können sich auch durch eine veränderte Urwampe zeigen!

Mein Fazit:

Die Urwampe ist vielleicht kein Sex-Appeal-Kriterium, aber sie hat ihren Sinn. Sie ist ein Schutzpolster, Energiespeicher und eine kleine Geheimwaffe für akrobatische Sprünge. Abhängig von Rasse und Alter können kastrierte Katzen mehr oder weniger Fettschürze haben. Wichtig ist nur: Sie sollte weder prall noch hart sein. Solange die Hautfalte locker zwischen den Hinterbeinen schwingt, erfüllt sie ihren Zweck.

© Oberes Beitragsbild: iStock, nature picture – Tammy erklärt
© Bild links, springende Katze: Canva – Tammy erklärt
© Bild rechts, dicke Katze: Canva – Tammy erklärt

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