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„Ich war das nicht!“ – Warum deine Katze deine Wohnung um dekoriert

Immer wieder erreichen unsere Dosenöffnerin Anfragen von anderem Katzen-Personal, das sich darüber wundert, warum wir Samtpfoten die Wohnung „umgestalten“. Da wird angeblich ein Fenstervorhang „plötzlich“ abgerissen, Tapeten werden zu Kratzteppichen umfunktioniert, Klopapier fachgerecht abgerollt oder Sofas zerfleddert, Blumentöpfe und Vasen neu um dekoriert. Auch unsere nächtlichen 5-Minuten-Rennen und nächtlicher Gesang sorgen regelmäßig für Gesprächsstoff.

Werden wir bei einer dieser Aktionen ertappt, blicken wir unser Personal selbstverständlich mit großen, runden Augen an – vollkommen unschuldig, versteht sich. Doch hinter all dem steckt meist mehr als bloßer „Vandalismus“. Was viele Dosenöffner nicht wissen: Wir Katzen zerstören nicht aus Boshaftigkeit. Niemals. Wirklich nicht! Die Frage ist also:

Langeweile? Frust? Protest? Oder vielleicht doch ein dezenter Samtpfoten-Notruf?

Wenn wir Dinge vom Regal schubsen oder eure Einrichtung kreativ neu anordnen, liegen dafür sehr häufig drei Ursachen zugrunde:

Langeweile und Frust

Gerade Samtpfoten in reiner Wohnungshaltung benötigen ausreichend geistige und körperliche Auslastung. Sind wir unterfordert, suchen wir uns eigenständig eine Beschäftigung – und ja, das kann im Zweifel eure teuerste Vase sein. Alternativ sprinten wir wie von unsichtbaren Hummeln verfolgt quer durch die Wohnung. Rücksicht auf Verluste gehört dabei leider nicht zu unseren Kernkompetenzen.

Revier-Unsicherheit

Kratzen dient nicht nur unserer Krallenpflege, sondern auch der Kommunikation. Wenn wir Möbel oder Wände bearbeiten, kann das ein Zeichen dafür sein, dass wir uns in unserem Revier unsicher fühlen. Mögliche Auslöser: eine neue Katze im Haushalt oder in der Nachbarschaft, menschlicher Nachwuchs, Umzüge, fehlerhaftes Futtermanagement oder andere plötzliche Veränderungen im Leben meines Personals. Kurz gesagt: Mein Zuhause fühlt sich nicht mehr ganz nach „meins“ an.

Erkrankungen

Unruhe oder vermehrte Zerstörungswut können aber auch gesundheitliche Ursachen haben. Schilddrüsenüber- oder -unterfunktionen, Bluthochdruck, Schmerzen oder kognitive Veränderungen im Alter bringen selbst die entspannteste Samtpfote aus dem Gleichgewicht. Stress ist dann oft die Folge – und Stress sucht sich bekanntlich ein Ventil.

Was kann unser Personal tun?

1. Tierärztlicher Check-Up

Bei plötzlichen Verhaltensänderungen – besonders bei den Senioren unter uns – sollten zunächst organische Ursachen ausgeschlossen werden. Schilddrüsenwerte und ein gründlicher Schmerz-Check sind schnell erledigt und oft der Schlüssel zur Lösung.

2. Die „Dritte Dimension“

Klingt nach Science-Fiction, ist aber elementar: Wir brauchen Höhe! Wir sind keine reinen Bodenbewohner. Sichere Klettermöglichkeiten wie Regale, hohe Kratzbäume oder Catwalks geben uns Übersicht, Sicherheit und reduzieren Stress. Von oben betrachtet sieht die Welt (und euer Wohnzimmer) für uns einfach entspannter aus.

3. Beschäftigung

Wir benötigen tägliche Spielzeiten – idealerweise zwei- bis dreimal am Tag. Bitte spielt intensiv mit uns, zum Beispiel Jagdspiele, und legt euer Handy für diese Zeit beiseite. 10–15 Minuten konzentriertes Spiel ist nötig, damit unser Jagdtrieb wirklich befriedigt wird. Ergänzend freuen wir uns über Schnüffelspiele, Clickertraining, Fummelbretter und Intelligenzspielzeug. Abwechslung ist hier das Zauberwort.

4. Kratz-Alternativen

Wir brauchen ausreichend Kratzmöglichkeiten, an denen wir uns der gesamten Länge nach strecken können – das ist genetisch fest verankert. Besonders wenn große Rassen wie Maine Coons, Sibirische Katzen oder Waldkatzen bei euch wohnen, sollte das Kratzequipment entsprechend stabil, hoch und lang sein. Kurze Kratzsäulen sind nett gemeint, aber ehrlich gesagt eher Deko.

Meine persönliche Bitte:

Liebes Personal, bitte bestraft uns nicht, sondern versucht zu verstehen, warum wir tun, was wir tun. Denn hinter jeder zerkratzten Couch steckt keine böse Absicht – sondern eine Katze mit einem unerfüllten Bedürfnis.

© Oberes Beitragsbild: iStock, Ramaboin – Tammy erklärt
© Linkes Bild: iStock, Nataliia Pyzhova – Tammy erklärt
© Rechtes Bild: Manon van der Meirschen – Tammy erklärt

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