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Schnee mit Nebenwirkungen – warum der Winterspaß auf den Magen schlagen kann

Leise rieselt der Schnee…
…und während ich mir als Katze in der Regel selbstverständlich einen warmen Fensterplatz sichere, stürzen sich meine Hundefreunde mit bewundernswerter Begeisterung kopfüber in die weiße Kälte. Aber auch die Freigänger und Yetis unter uns finden das weiße Zeugs richtig gut. Was für Zweibeiner romantisch aussieht und für Hunde und Katzen nach purem Abenteuer riecht, kann allerdings schneller auf den Magen schlagen.

Sobald der erste Schnee fällt, geraten Kinder, Erwachsene und vor allem meine Hundefreunde gleichermaßen in Verzückung. Endlich darf wieder getobt, gebuddelt und Schneebällen hinterhergejagt werden. Auf ausgedehnten Winterspaziergängen genießen Dosenöffner und Hund die besondere Stimmung der verschneiten Landschaft – während ich mir das Ganze aus sicherer Entfernung beobachte und Ulysseus sich denkt sich: Kalt. Nass. Nein danke.

Doch meine Hundefreunde sehen das anders. Sie rennen ausgelassen durch den Schnee, fangen Schneebälle, wühlen begeistert mit der Schnauze im Schnee und fressen dabei leider nicht nur frischen Schnee. Und genau hier beginnt das Problem.

Wenn Schnee dem Hunde- und Katzenmagen zusetzt

Schnee kann bei Hunden und uns Samtpfoten sehr schnell eine Gastritis – also eine Magenschleimhautentzündung – sowie Durchfall auslösen. Manche Fellnasen reagieren bereits auf kleinste Mengen, andere vertragen größere Schneemengen, bevor ihr Magen protestiert. Und dann gibt es jene Glückspilze, denen selbst größere Portionen scheinbar nichts ausmachen.

Die Kälte des Schnees und mögliche Verunreinigungen wie Sand/Erde, Split und Streusalz reizen die empfindliche Magenschleimhaut. Die Folge: Die Magenschleimhaut entzündet sich, und es kommt zur sogenannten Schneegastritis.

Ob und wie heftig Hund und Katzen auf gefressenen Schnee reagieren, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • die Empfindlichkeit des Magens
  • der aufgenommenen Schneemenge
  • dem Grad der Verunreinigung
  • der Art der Verunreinigung

Eine Gastritis äußert sich bei uns Fellnasen häufig durch folgende Symptome:

  • Abgeschlagenheit
  • Appetitlosigkeit
  • Gurgelnde Magen- und Darmgeräusche
  • Vermehrtes Hecheln und teilweise auch Speicheln bei Hunden
  • Husten, Würgen
  • Erbrechen, in schweren Fällen sogar mit Blut
  • Durchfall, bis hin zu blutigem oder schwarzgefärbten Durchfall
  • Teilnahmslosigkeit
  • Bauchschmerzen
Hier ein kleiner Exkurs: Der Hunde- und Katzenmagen

Der Magen ist ein muskulöses Verdauungsorgan mit einem Fassungsvermögen von etwa 1 bis 9 Litern – abhängig von der Hunderasse und bei uns Samtpfoten von ca. 0,3 Liter (etwa so viel wie ein Tischtennisball). Die drüsenhaltige Schleimhaut schützt den Magen vor einer Selbstverdauung. Diese Drüsen produzieren nämlich Salzsäure, Verdauungsenzyme und einen schützenden Schleim.

Die Salzsäure tötet Bakterien ab, bereitet die Nahrung vor und aktiviert Enzyme zur Eiweiß- und Fettverdauung. Wird die Magenschleimhaut jedoch gereizt – etwa durch kalten Schnee oder Fremdstoffe – verliert sie ihre Schutzfunktion. Die aggressive Magensäure greift die Schleimhaut weiter an, Enzyme beginnen sie zu schädigen, und eine Gastritis entsteht.

Zusätzliche Gefahren im Winter

Um glatte Wege sicherer zu machen, werden Straßen und Gehwege häufig mit Splitt und Streusalz behandelt. Streusalz senkt den Gefrierpunkt von Wasser, ist jedoch für Hunde- und Katzenmägen besonders problematisch.

Noch gefährlicher wird es, wenn Streusalz Frostschutzmittel oder Auftaumittel enthält. Diese Stoffe sind für uns Fellnasen giftig – und leider oft geschmacklich und geruchlich besonders attraktiv für uns. Wir Fellnasen fressen den Schnee dann mit besonderem Eifer.

Was du bei einer Schneegastritis tun kannst

Nach ausgiebigen Schneespaziergängen oder wenn die Freigänger unter uns sich Zuhause wieder aufwärmen, solltest du uns aufmerksam beobachten. Zeigen wir Symptome wie Magengrummeln, Würgen, Erbrechen, Durchfall oder wirken wir sehr erschöpft, unruhig oder verschlechtert sich unser Allgemeinzustand, ist Vorsicht geboten. Findest du Blut im Erbrochenen oder im Kot, bringe uns bitte sofort zum Tierarzt. Bei leichten Beschwerden reicht oft eine Schonkost für einige Tage, damit sich die Magenschleimhaut regenerieren kann. Geeignet sind:

  • Morrosuppe mit Hühnchen
  • Süßkartoffelbrei (ohne Milch!)
  • Weich Gekochter Reis oder für uns Samtpfoten gekochte Reisflocken
  • Hüttenkäse (vorrangig für meine Hundefreunde)

Füttere mehrere kleine Portionen und achte darauf, dass wir ausreichend trinken. Das Wasser sollte möglichst Zimmertemperatur haben, um keinen weiteren Kältereiz auszulösen.

Verbessern sich die Symptome innerhalb von 24 Stunden nicht oder verschlechtern sie sich, ist ein Tierarztbesuch dringend erforderlich. Unbehandelt kann eine Gastritis chronisch werden – mit immer wiederkehrenden Schmerzen, Durchfall und Erbrechen.

MEIN FAZIT:

Schnee ist wunderschön. Ulysseus würde sagen „Aus sicherer Entfernung. Hinter Glas. Auf Fotos.“ Aber wir Samtpfoten und meine Hundefreunde dürfen gern weiter toben – aber bitte mit wachsamen Dosenöffnern an ihrer Seite.

© Oberes Beitragsbild: iStock, Nataba – Tammy erklärt

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